Diagnose und Behandlung der Osteoporose

Weiblicher Rücken mit WirbelsäuleOsteoporose in der Ordination:

Risikoerhebung + Vorsorge

Knochendichtemessung

Beratung und Behandlung bei manifester Osteoporose

 

Was ist Osteoporose:

Osteoporose heißt „Knochenschwund“, d.h. die Knochenmasse nimmt ab. Gleichzeitig verändert sich die Architektur des Knochens, er wird porös und damit brüchig. Als Folge kommt es bei einer voll ausgebildeten Osteoporose zu Knochenbrüchen schon bei vergleichsweise geringfügigen Unfällen.

Das klinische Bild der manifesten Osteoporose ist durch Frakturen und ihre Folgen geprägt. Osteoporosebedingte Wirbelfrakturen und periphere Frakturen sind bei Frauen und Männern mit einer erhöhten Mortalität assoziiert.

Voraussetzung für einen gesunden Knochen und eine optimale Knochen­dichte sind neben einem normalen Kör­pergewicht der Verzehr einer ausgewogenen Mischkost mit ausreichender Versorgung an Kalzium, Vitamin D und Proteinen.

Erwachsenen wird eine tägliche Gesamtkalziumzufuhr von 1000 mg Kalzium empfohlen. Für Frauen in den Wechseljahren sowie Männern ≥ 65 empfiehlt die Weltgesundheits- organisation (WHO) 1300 mg täglich. Dabei sind Milch und Milchprodukte die bedeutendsten Kalziumlieferanten (Magerprodukte weisen einen höheren Kalzium- gehalt auf).

Zur Vermeidung eines Vitamin-D- Mangels empfiehlt sich ein täglicher Aufenthalt im Freien. In Abhän- gigkeit von der Hautpigmentierung wird eine tägliche ungeschützte Sonnenlichtexposition von Gesicht und Armen zwischen 15 und 30 Minuten in der Regel einen schweren Vitamin-D-Mangel ver- hindern. Cave: bei Verwendung von Sonnenölen mit einem Sonnen- schutzfaktor von ≥ 8 wird praktisch kein Vitamin D in der Haut gebildet.

Experten empfehlen eine tägliche Vitamin-D3-Zufuhr von 800 – 1000 IE für den Erwachsenen und von 2000 IE Vit D3 für institutionali- sierte Personen oder andere Vitamin D-Mangel-Risikogruppen als sinnvolle und sichere Dosierung. Es gibt zu diesen Empfehlungen jedoch keine Langzeitdaten aus größeren Interventionsstudien(1).

Da in unseren Breitengraden in den Win­termonaten mangels Sonneneinstrah­lung nur eine vernachlässigbar geringe Vitamin-D-Produktion in der Haut statt­findet, wird für diesen Zeitraum eine generelle Vitamin-D- Supplementierung für Risikogruppen empfohlen.

Neben der ausgewogenen Ernährung spielt die Sturzprävention eine wich­tige Rolle. Die zunehmende Fraktur-rate bei älteren Personen steht in direktem Zusammenhang mit dem erhöhten Sturzrisiko (z. B. durch häusliche Umgebung wie Teppiche, schlechte Beleuchtung oder durch bestimmte Medikamente).

Unterstützend wirkt sich regelmäßige körperliche Aktivität aus. Ziel ist es, Muskelkraft und Koordination zu för­dern – Knochenstärke und -struktur passen sich nämlich in jeder Lebens-lage den einwirkenden Kräften wie Muskelkraft und andere Rahmen-bedingungen an. Die abnehmende Muskelkraft im Alter erklärt daher die Abnahme der Knochenmasse.

Als weiterer Risikofaktor für Osteo­porose sind Medikamente anzuführen. Zu den Medikamenten, die eine Osteo-porose und/oder Stürze begünstigen können, zählen orale Glucocorticoide, Glitazone bei Frauen, Antiepileptika, Antidepressiva sowie sedierende bzw. Orthostase- auslösende Medikamente. Die meisten dieser Präparate fin­den sich auch auf der Beer’s Liste(4), einer Auflistung von Medikamenten, die PatientInnen über 65 Jahre nicht erhalten sollten, da sie auch bezüg­lich anderer Aspekte kritisch einge­setzt werden sollten. Auch der Einsatz von Protonenpumpeninhibitoren sollte auf das Nötigste beschränkt werden. Bei langer Therapiedauer und hoher Dosierung erhöhen PPI’s die Fraktur­rate

Knochendichtemessung:

Die „Gold-Standard“-Methode zur Quantifizierung der Knochenmineral­dichte (BMD) sowie des Frakturrisikos ist die Zwei-Spektren-Röntgenabsorp­tiometrie (DXA). Prinzipiell werden sowohl die Lendenwirbelsäule als auch die Hüfte (= zentrale DXA) gemes­sen. Alternativ kann, wenn proxi-maler Femur und/oder LWS nicht aus­wertbar sind (zum Beispiel bei sehr adipösen Personen), das Messergebnis vom nicht-dominanten Radius ver­wendet werden(1).

Gründe für eine Knochendichte-Messung bei Erwachsenen:

  • Frauen ab dem 65. Lebensjahr
  • Frauen jeden Alters, wenn starke Risikofaktoren vorliegen
  • Männer ab dem 70. Lebensjahr
  • Erwachsene mit einer Fragilitätsfraktur
  • Erwachsene mit Erkrankungen, welche mit niedriger Knochen- dichte oder raschem Knochen- dichteverlust assoziiert sind
  • Erwachsene, welche langfristig Medikamente einnehmen müssen, die den Knochenverlust beschleunigen

Starke Risikofaktoren sind:

  • Niedriges Körpergewicht, BMI< 20kg/cm²
  • Gewichtsverlust >10% in 5 Jahren
  • Immobilisation, extreme Inaktivität
  • Fraktur nach inadäquatem Trauma
  • Abnahme der Körpergröße > 4cm
  • Hohes Sturzrisiko ( mindestens 2x/Jahr)

Medikamentöse Therapie:

Eine gezielte Indikationsstellung und Auswahl der Präparate für die medikamentöse Therapie, eine regelmäßige Überprüfung der Com­pliance sowie die Festlegung der Therapiedauer sind wichtige Grund­lagen für eine qualitativ hochwertige Behandlung der Osteoporose.

Entscheidungskriterien für die medikamentöse Therapie:

Derzeit soll an der prinzipiellen Interventionsschwelle basierend auf dem „T-Score“ System der WHO festgehalten werden. Das bedeutet, dass Knochendichtewerte mit einem T-Score von schlechter als -2,5 eine prinzipielle Indikation für eine medikamentöse Therapie darstellen. Dabei muss allerdings berücksichtigt werden, dass im Alter < 65 das Frak­turrisiko gering ist. Daher sind neben dem Knochendichtewert folgende Faktoren für die Entscheidung eines Therapiebeginns wichtig:

Alter (vorrangig) , Sturzrisiko , Frakturstatus , mögliche Immobilität , Begleiterkrankungen , laufende Medikation. Eine andere Bewertung der Entschei­dungskriterien für eine Therapie ergibt sich künftig möglicherweise nach einer prospektiven Validierung der Verwendung von Risiko-Scores wie z. B. dem FRAX und einer Fest­legung darüber, ab welchem abso­luten 10-Jahres-Frakturrisiko inter-veniert werden soll(1).

Web Info: Osteoporose-Selbsthilfegruppe



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